Mitte April beginnt eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt die Saison im Mittelmeer. Kein Einzelfall – 2011 feiern etliche Riesenpötte Premiere in südeuropäischen Gewässern.
Adam M. Goldstein, Präsident von Royal Caribbean International, dessen Mutterkonzern RCL Cruises das weltweit zweitgrößte Kreuzfahrtunternehmen ist, scherzte einmal vor versammelter Mannschaft:
„Wenn der Trend zu mehr Europarouten unserer Flotte
weiter anhält, sollten wir über eine Namensänderung nachdenken und uns eventuell von ,Royal Caribbean’ in ,Royal European’ umbennen.“ Das war 2007, als die zur Goldstein’schen Flotte zählende „Liberty of the Seas“ als damals größtes Kreuzfahrtschiff der Welt vorgestellt wurde. Nun, vier Jahre später ist beim US-Unternehmen, zu dem auch die Marke Celebrity Cruises gehört, von einer echten Umfirmierung freilich nicht die Rede – und das trotz des anhaltenden Europatrends. Fakt ist: So viele Schiffe wie in diesem Jahr wurden noch nie zu Einsätzen jenseits des Großen Teichs geschickt.
Und nicht nur Royal Caribbean entdeckt Europa, auch andere Größen der US-dominierten Branche setzen auf den Alten Kontinent. Insbesondere das Mittelmeer erlebt immer mehr Kreuzfahrtschiffe, die bislang in der Karibik und anderswo unterwegs waren. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 kreuzten zehn Schiffe mit mehr als 3000 Passagieren durch Europa, 2011 sind es bereits 16. Und auch in einer Schiffsliga darunter, mit 2500 bis 3000 Passagieren, werden in diesem Jahr 14 Vertreter verzeichnet. Auch das stellt einen neuen Rekord dar.
Das größte Kreuzfahrtschiff, welches das Mittelmeer je gesehen hat, hatte am 16. April seine mediterrane Premiere: Die „Liberty of the Seas“ startet die erste von mehreren Routen im westlichen Mittelmeer. Mit an Bord des 339 Meter langen Giganten werden jeweils bis zu 3436 Gäste sein.
Dieses Angebot spart Urlaubern, deren Schiffsmotto „Je größer, desto besser“ lautet, eine Menge Geld. Denn bislang mussten sie ein Flugticket nach Nordamerika oder in die Karibik lösen, um auf den Größten der Großen mitzureisen. Jetzt genügt ein Kurzstreckenticket, welches neben Kosten auch Zeit spart. Schließlich ist man nach zwei bis drei Flugstunden in Rom, Venedig, Palma de Mallorca, Istanbul, Athen oder Genua – die bedeutendsten Häfen für große Kreuzfahrtschiffe.